Keine Auszeichnung, sondern eine Aufgabe

9. Juni 2026

Die Corvi-Schulgemeinschaft hat sich dafür ausgesprochen, dem Netzwerk "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" beizutreten und dazu eine Feierstunde in der Theatermensa ausgerichtet. Über 300 Schüler:innen, Lehrkräfte und Eltern erlebten bewegende Reden, nochmal 600 waren per Liveübertragung in ihren Klassenzimmern dabei.

Nach einem Jahr am Ziel: Das Corvi ist Mitglied im Netzwerk

Eine großartige Patin

Mit Gifty Rosetta Amo Antwi hat das Corvi eine großartige Patin für die Mitgliedschaft in diesem Netzwerk gefunden. Sie ist selbst auf's Corvi gegangen und mittlerweile Geschäftsführerin des Dachverbandes der Eine-Welt-Läden in Deutschland. In ihrer Festrede stellte sie heraus, dass das Corvi damit einen Schritt geht, "der mutig ist. Einen Schritt, der nicht selbstverständlich ist. Das Motto „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist mehr als ein Titel. Es ist ein Auftrag." Antwi ist Schwarze und hat in Northeim selbst Vorurteile erlebt. Heute sensibilisiert sie in Workshops für die – wie sie es nennt – Mikroaggressionen des Alltagsrassismus. "Er steckt in Sätzen wie: „Woher kommst du wirklich?“ – an jemanden, der sein ganzes Leben in Deutschland aufgewachsen ist."

Ihre Überzeugung: Dieser Rassismus steckt in uns allen, er ist Teil unserer Geschichte, unserer Wahrnehmung und unseres Gesellschaftssystems. Die gute Nachricht: Es muss nicht so bleiben. Wir können "Wahrnehmung schärfen. Verantwortung klar benennen. Grenzen auf respektvolle Weise setzen. Und Betroffene nicht alleine lassen. Manchmal müssen wir jemanden vor den Kopf stoßen. Nicht mit Hass, aber mit Klarheit." Gleichzeitig empfiehlt sie: "Überfordert euch nicht. Ihr müsst nicht jede Situation perfekt lösen. Manchmal reicht ein Zögern, ein Nachfragen, ein „Warte mal – war das okay?“ Das ist schon Courage."

Zitierte aus dem Aufsatz "Vorurteile", den sie 1997 am Corvi als Schülerin der 7c2 geschrieben hatte: Gifty Rosetta Amo Antwi

Mit Mallaks PoetrySlam-Text fing alles an

Mallak Safi aus der Klasse 11a, Teil einer Initiativgruppe von 9 Schüler:innen, trug ihren PoetrySlam-Gewinnertext aus dem vergangenen Jahr auf der Feierstunde vor. Sie hat ganz ähnliche Erfahrungen gemacht:

Noch bevor du überhaupt was gesagt hast.
Noch bevor du überhaupt du sein darfst,
bist du schon das, was sie aus dir machen.
 
Es fragt nicht: Wer bist du?
Es sagt: Ich weiß schon, was du bist.
 
Und solange wir weitermachen
mit Urteilen statt Fragen,
mit Abstand statt Begegnung,
leben wir in einer Welt,
in der niemand mehr einfach nur „Mensch“ sein darf.
Etwas tun für ein besseres Miteinander: Somaya, Naomi und Mallak hielten die Eröffnungsrede der Feierstunde

Demokratischer Prozess am Corvi

"Mit Mallaks Text auf dem PoetrySlam vor einem Jahr begann die Beitrittsgeschichte des Corvi in das Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule ohne Courage", berichtet Schulleiter Christoph Dönges. "Die Idee kam in die Offene Steuergruppe durch den stellvertretenden Elternratsvorsitzenden Karsten Leunig. Es bildete sich eine Initiativgruppe von neun Schülerinnen und Schülern, die die Abstimmung zum Beitritt mit den betreuenden Lehrkräften Wehe und Wolff erfolgreich durchführten und damit die Schule zum Besseren veränderen. Dreihundert Schülerinnen und Schüler, Elternvertreter und Lehrkräfte sitzen hier und die anderen sehen live aus den Klassenzimmern zu, denn mehr passen in unsere Mensa nun einmal nicht hinein."

Begrüßt die Schulgemeinschaft vor Ort und online: Schulleiter Christoph Dönges

Neun Schüler:innen wurden aktiv

Somaya Hossaini, Naomi Gebrehiwet und Mallak Safi eröffneten die Beitrittsfeier. Sie berichteten über den Weg ins Netzwerk. "Wir freuen uns auf die weitere Arbeit und hoffen auf mehr Engagierte, damit wir Vielfalt an unserer Schule wertschätzen und schützen und Toleranz fördern!"

Auch Yara Mohammad, Aline Heß und Lydia von der Straten aus der 9a verfolgen im Publikum das Geschehen. Sie gehören mit zu der Initiativgruppe, genau wie Leon Brandfaß, der auch da ist, sowie Christina Parlaska und Julius Haupt aus dem Jahrgang Q1. Die Neun können stolz darauf sein, dass sie im Alleingang alle Klassen und Kurse mit selbst erstellen Präsentationen in den Klassenräumen und auf Jahrgangsversammlungen mit der Idee vertraut gemacht und die Abstimmung durchgeführt haben.

Für die Landeskoordination des Netzwerks war Claudia Schanz anwesend. "Es liegt in eurer Hand", rief sie den Schüler:innen zu. "Ich könnt dazu beitragen, dass an eurer Schule hier die Vielfalt der Menschen als etwas Bereicherndes und nicht als etwas Bedrohliches verstanden wird." Sie überreichte den Vertreter:innen der Initiativgruppe, Naomi Gebrehiwet, Somaya Hossaini und Mallak Safi aus der Klasse 11a, sowie Dönges mit Antwi das Netzwerkschild.

Schulleiter Christoph Dönges mit Naomi Gebrehiwet, Patin Gifty Rosetta Amo Antwi, Mallak Safi und Somaya Hossaini erhalten von Landeskordinatorin Claudia Schanz das Netzwerkschild.

Rassismus ist keine Meinung

Mitorganisator Marius Wehe fand in seinem Aufruf an die Schulgemeinschaft klare Worte: "Wir dürfen und müssen mehr sein als „neutral“. Rassismus ist keine Meinung. Andere Menschen abzuwerten ist keine „Meinung“, sondern ist sowohl mit unserem Schulmotto als auch mir unserer Verfassung einfach nicht vereinbar."

Die Corvi-Jazzband unter der Leitung von Mirko Heimerl sorgte mit einem schier endlos scheinenden "In the Mood" bereits zu Beginn der Veranstaltung für einen humorvollen, festlichen Rahmen.

 

Text, Fotos: Wolff

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