Abientlassung mit Licht und Schatten

26. Juni 2026

Das war keine einfache Aufgabe für die Corvi-Schulgemeinschaft: Dem Höhepunkt und erfolgreichen Abschluss der neunjährigen Schulzeit der 90 Abiturient:innen festlich gerecht werden und zugleich einen schwer entgleisten Abistreich, der zwei Tage vorher stattgefunden hatte, angemessen berücksichtigen.

Der Abistreich hatte an diesem heißen Sommertag in der Northeimer Stadthalle deutlich seine Spuren hinterlassen: Auf der sonst traditionell mit Lehrkräften besetzten rechten Flanke des Parketts hatten ebenso Familienangehörigen der Abiturient:innen Platz genommen, wie im Rest der Halle. Die Bühne: leer. Die Jazzband hatte nämlich ebenso wie nahezu alle Lehrkräfte für sich entschieden, den diesjährigen Abi-Feierlichkeiten fernzubleiben. Hintergrund waren verfassungsfeindliche Symbole und einzelne Lehrkräfte diffamierende Kritzeleien. Beides aufgetreten während des Abistreichs am vergangenen Mittwochvormittag. Dennoch war die Stadthalle nahezu vollständig gefüllt von den festlich gekleideten Abiturient:innen und deren Angehörigen. Die Musik kam vom Band, die Absolvent:innenriege zog im langen Marsch ein, die Zuschauenden erhoben sich und spendeten rhythmischen Beifall, wie in den vergangenen Jahren auch. Schulleiter Christoph Dönges betrat zur Begrüßung die Bühne.

"Es ist eine außergewöhnliche Entlassungsfeier", begann er, "Erstmals ohne Livemusik, ohne die unterrichtenden Lehrkräfte – aber mit einem Missklang in wohl vielen Herzen, auch in meinem. Dieser Missklang schmerzt mich und sicher auch viele andere, gerade weil er so unerwartet gewissermaßen in den 'vorletzten Takt' eines Musikstücks platzte. Ich möchte aber nicht, dass dieser 'Missklang im vorletzten Takt' zum jähen Ende des ganzen Stücks führt und wir alle auf Dauer damit herumlaufen." Daher habe er entschieden, die Entlassungsfeier stattfinden zu lassen, wenngleich die Personalversammlung des Corvi-Kollegiums mehrheitlich entschieden habe, eine Absage der Feierlichkeiten zu fordern. Die Erleichterung über die nicht erfolgte Absage war dem Applaus anzumerken.

Dönges benennt und verurteilt die Vorfälle auf dem Abi-Streich scharf: "Offenbar haben einzelne uns als Schulleitung leider nicht bekannte Personen, vielleicht gar nicht aus dem Jahrgang, vielleicht nicht einmal von unserer Schule, die Gelegenheit genutzt, um verfassungsfeindliche Symbole zu schmieren und durch hinterlassene Textbotschaften und Grafiken einige Lehrkräfte auf das Übelste zu diffamieren. Das hat diese Lehrkräfte zutiefst verletzt. Das ist nicht entschuldbar." Er könne deshalb verstehen, "dass unser Kollegium seine Solidarität mit den Betroffenen heute durch Fernbleiben zeigt." Der Jahrgang habe ein Entschuldigungsschreiben verfasst und die Verantwortung für die Vorfälle übernommen, "was ich persönlich sehr anständig finde", so Dönges weiter. Der Jahrgang habe die Schmierereien und den Unrat rückstandsfrei entfernt. Zerknirscht gab Dönges zu, dass es leider nicht gelungen sei, "die üblen Äußerungen rechtzeitig wahrzunehmen und sofort zu entfernen. Er habe "den festen Vorsatz, es künftig besser zu machen."

Erfreut zeigte sich Dönges über die mit einem Durchschnitt von 2,26 signifikant über dem Landesdurchschnitt liegenden Leistungen des Abiturjahrgangs und dass sich die gemeinsame Anstrengung der Abiturient:innen, der unterrichtenden Lehrkräfte und der unterstützenden Eltern gelohnt habe. Alle 90 zur Prüfung Zugelassenen hätten die Abiturprüfung nämlich bestanden. "33 haben die begehrte 1 vor dem Komma", einmal sei sogar die Traumnote 1,0 erreicht worden.

Dönges sei sicher, dass die Abiturient:innen im gebührenden Abstand erkennen würden, dass manches Unangenehme sie vorwärts gebracht habe und wünschte ihnen, dass sie Dankbarkeit empfinden und auch ein Dankeschön sagen könnten. Dönges selbst dankte den Kolleg:innen für ihr Engagement und den Eltern für alle Unterstützung und Mühen: "Sie haben dadurch unsere Arbeit in der Schule nicht nur unterstützt, sondern überhaupt erst möglich gemacht."

Dönges dankte dem Abi-Jahrgang dafür, dass er das Schulleben an vielen Stellen bereichert habe. Abschließend forderte er die scheidenden Corvinaner:innen auf, gebotene Chancen weiterhin engagiert zu nutzen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Der Jahrgangsleiterin und Festrednerin Sabine Schwarzländer war in ihrer Rede anzumerken, wie nahe sie dem Jahrgang durch die Begleitung gekommen war. Sie ging chronologisch auf die vielfältigen Erlebnisse ein, die der Jahrgang seit der Einschulung am 1. August 2017 am Corvi hatte. Auf der Prag-Studienfahrt sei sie jüngst dank einiger Schülerinnen sogar erstmals erfolgreich mit einem E-Scooter gefahren.

Die Jahrgangsfestredner Benedikt Böhnert und Daniel Hehn griffen ihr gewähltes Abimotto "A little Party never killed our Abi" auf, um den Lebensabschnitt am Corvi mit einer großen insgesamt gelungenen Party zu vergleichen vom Vorglühen in Jahrgang 5 und 6 bis zum Höhepunkt auf dem morgigen Abiball, die "verrückten Momente bleiben in Erinnerung." Die beiden ließen es sich nicht nehmen, auf den entgleisten Abistreich Bezug zu nehmen: "Es tut jedem einzelnen leid und wir übernehmen alle die Verantwortung für die Vorfälle."

Nach einem tänzerischen Abschiedsgruß einer kleinen Abordnung des Jahrgangs Q1 und der Übergabe der Abi-Zeugnisse wurden 24 Schüler:innen für besondere Leistungen geehrt, darunter auch sechs für soziales Engagement bzw. die langjährige Mitwirkung bei kulturellen Veranstaltungen:

Tara Bertram für die langjährige und engagierte Mitwirkung im Schulchor
Tarik Blickwede für sein Engagement als Jahrgangssprecher in der SV
Jonas Fischer für die Übernahme der Leitung der Schach-AG nach dem Tod des langjährigen Leiters Peter Konetzke
Julius Haupt für seine Mitarbeit in der SV und sein vielfältiges Engagement als Schulpianist
Leana Keilmann für ihr Engagement als Jahrgangssprecherin in der SV
Tarja Mattner für die langjährige und engagierte Mitwirkung im Schulchor
 

Die Jahrgangssprecher:innen Leana Keilmann und Tarik Blickwede dankten abschließend den Leistungskurslehrkräften, den Tutor:innen, den Eltern, Hausmeistern, Sekretärinnen, Schulasisstenten, Reinigungskräften für alle erfahrene Unterstützung. Leana – selbst langjähriges Mitglied in der Jazzband – dankte abschließend ihrem abwesenden Ensemble sichtlich berührt für die Vorbereitungsarbeit auf die Entlassungsfeier, wenngleich ein Spiel nicht zustande kam. Explizit dankte sie auch Sabine Schwarzländer und Wibke Kuschke für die Begleitung des Jahrgangs im Schock über die schlimmen Vorfälle auf dem Abistreich.

In der Efeudeko versteckte sich der Corvirabe.

 

Text: Wolff; Fotos: Wolff, Dörflinger

Die Abi-Entlassungen der letzten Jahre:

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